Deutsche Geschichte. Zur Vorgeschichte Mitteleuropa; zur Frühgeschichte Fränkisches Reich

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Die Entstehung und frühe Entwicklung des »deutschen Reichs«

Die Entstehung des deutschen Reichs (Regnum) ist als ein lang gestreckter Entwicklungsprozess zu sehen. In der Auseinandersetzung mit der römischen Reichskultur (Völkerwanderung) entwickelten sich seit dem 3. Jahrhundert germanische Völker, die im 5. und 6. Jahrhundert ihre Reiche auf dem Boden des Imperium Romanum errichteten (z. B. Franken, Alemannen). Diese Völker (Stämme) übernahmen Grundelemente der lateinischen Kultur sowie Reste der spätantiken Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen. Sie schufen sich im 3.–6. Jahrhundert politische Strukturen (Herzogtum, Königtum), blieben aber immer Verbände, die eher durch gemeinsame Traditionen zusammengehalten

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Das Zeitalter der Salier und Staufer (1024–1254)

Seit der Mitte des 11. Jahrhunderts setzten im gesamten Abendland bedeutsame Wandlungen in den Herrschafts- und Sozialverhältnissen wie auch im geistigen Selbstverständnis ein, die überkommene Ordnungen infrage stellten und neue Kräfte mobilisierten. Ein stetiges, seit 1200 sprunghaft ansteigendes Bevölkerungswachstum, das bis ins 14. Jahrhundert hinein andauerte, stellte die Agrargesellschaft des Mittelalters vor die Aufgabe, die landwirtschaftliche Produktion erheblich zu erhöhen, um den gestiegenen Nahrungsbedarf zu decken. Dieser Herausforderung suchte man durch verbesserte Anbaumethoden und Arbeitstechniken (Dreifelderwirtschaft, neue Pflugmethoden, Bau von Getreidemühlen), aber

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Spätmittelalter

Während sich in den Königreichen Westeuropas im Spätmittelalter das dynastische Prinzip und die monarchische Durchdringung des Reichs durchsetzten, blieb das römisch-deutsche Reich bis zu seinem Ende 1806 eine Wahlmonarchie, in der sich personale Bindungen und die Prinzipien konsensualer Herrschaft bewahrten. Der moderne Staat wurde nicht von der königlichen Gewalt im Reich, sondern von den fürstlichen Herrschaften in ihren Territorien ausgebildet.

Gemessen an seinen Aufgaben und an den zur Verfügung stehenden Mitteln, erscheint das deutsche Königtum des Spätmittelalters im Vergleich zu

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Konfessionelles Zeitalter (1517–1648)

Das dauerhafteste Ergebnis der dynastischen Politik Maximilians I. war 1516 die Vereinigung der Reiche Aragonien, Kastilien und Neapel-Sizilien mit den habsburgischen und burgundischen Ländern unter der Herrschaft seines ältesten Enkels Karl. Als Kaiser Karl V. (1519–56) war Deutschland für ihn nur ein Nebenland seines burgundisch-spanischen Weltreichs.

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Deutsche Geschichte

Regierte ein Reich, in dem »die Sonne niemals untergeht«: Kaiser Karl V. herrschte über große Teile Europas und viele außereuropäischen Besitzungen.

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Karl V.

Kaiser

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Vom Westfälischen Frieden zum Wiener Kongress (1648–1815)

Der Reichstag, der 1663 in Regensburg zusammentrat, entwickelte sich zu einem ständigen Gesandtenkongress (»immerwährender Reichstag«) der Reichsstände, v. a. der Landesfürsten, in deren Territorien sich der Schwerpunkt des politischen Lebens verlagerte. Hier entstanden – begünstigt von den Beschlüssen des »Jüngsten Reichsabschieds« des Regensburger Reichstags von 1654, der keine Reichsverfassungsreform zustande brachte – vom fürstlichen Absolutismus geprägte Staaten (Österreich, Brandenburg-Preußen, aber auch Hannover, Bayern, Baden und Sachsen-Weimar), in denen die Landesstände zwar meist ihre frühere Macht (Steuerbewilligung) verloren, aber das ständische Sozialgefüge weitgehend unangetastet

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Deutscher Bund, Norddeutscher Bund und Reichsgründung (1815–71)

Der durch die Deutsche Bundesakte (8. 6. 1815) gegründete Deutsche Bund war ein Zusammenschluss von souveränen Fürsten und Freien Städten.

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Deutscher Bund

Deutsche Bundesakte von 1815: Durch ihre Unterzeichnung entstand nicht ein moderner deutscher Nationalstaat, sondern ein restaurativer Staatenverbund.

Dabei lagen wesentliche Teile Preußens (Posen, Ost- und Westpreußen) und Österreichs (v. a. die ungarische Reichshälfte sowie italienische Reichsteile) außerhalb des Bundesgebiets. Er war ein Staatenbund, der sich dezidiert gegen die als revolutionär empfundene nationale Einheitsbewegung wandte und die monarchisch-dynastische Ordnung in

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Das Deutsche Kaiserreich (1871–1918)

Die Reichsverfassung (16. 4. 1871) war gegenüber derjenigen des Norddeutschen Bundes stärker föderal ausgerichtet. Das Deutsche Reich war eine konstitutionelle Monarchie, ein »ewiger Bund der Fürsten«. Der Reichskanzler (zuvor Bundeskanzler) wurde vom Bundespräsidium, dem Kaiser, ernannt und nicht vom Reichstag gewählt. Er blieb bis 1918 der einzige verantwortliche Reichsminister; seine Staatssekretäre waren die Ressortverantwortlichen. Die Parteien blieben im Vorhof der Macht; der Reichstag verkörperte das Prinzip der Volkssouveränität. Als Parlamentarisierungsbremse wirkte der Föderalismus (Bundesrat), während der Parlamentarismus für die Partikularismusprävention sorgte.

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Novemberrevolution (1918/19) und Weimarer Republik (1919–33)

Der Beschluss der Marineleitung, die Hochseeflotte in letzter Minute gegen England auslaufen zu lassen, löste eine Meuterei in Wilhelmshaven (28. 10. 1918) bzw. den Matrosenaufstand in Kiel (3. 11. 1918) aus, der sich über das ganze Reich ausbreitete. Die »Novemberrevolution« führte zum Zusammenbruch des monarchischen Regierungssystems auf Reichsebene und in allen Bundesstaaten. Am 9. 11. 1918 verkündete Reichskanzler Prinz Max von Baden die Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übergab die Regierungsgeschäfte an F. Ebert (SPD).

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Friedrich Ebert

Friedrich Ebert auf einem Foto

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Deutschland unter dem Nationalsozialismus (1933–45)

Die innere Entwicklung (1933–39): Nach einer Einigung zwischen Papen und Hitler über die Bildung einer Regierung Hitler, an der neben Deutschnationalen nur drei Nationalsozialisten beteiligt sein sollten, ernannte Hindenburg unter dem Druck seiner persönlichen Umgebung, Teilen der Reichswehrführung, der Industrie und des Reichslandbundes Hitler am 30. 1. 1933 zum Reichskanzler.

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Deutsche Geschichte

Adolf Hitler, der frisch ernannte Kanzler des Deutschen Reichs, begrüßt den greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg

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Adolf Hitler

Adolf Hitler (1889-1945), »Führer und Reichskanzler« des

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Die Teilung Deutschlands (1945–49)

Mit der »Berliner Viermächteerklärung« vom 5. 6. 1945 übernahmen die militärischen Oberbefehlshaber der vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) gemäß den Vereinbarungen der Jalta-Konferenz (4.–11. 2. 1945) die oberste Regierungsgewalt in Deutschland. Die Gebiete des Deutschen Reichs östlich von Oder und Lausitzer Neiße, das südliche Ostpreußen, die ehemalige Grenzmark Posen-Westpreußen, Ober- und fast ganz Niederschlesien sowie der östlich der Oder gelegene Teil Pommerns und Brandenburgs (»deutsche Ostgebiete«, fast ein Viertel des Reichsgebiets von 1937 mit rd. [1944] 9,8 Mio. Einwohnern; Oder-Neiße-Linie) und

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Deutsche Demokratische Republik (1949–90)

Vorgeschichte und Entstehung: Die DDR war in erster Linie ein Produkt der gesellschaftspolitischen Veränderungen, die die sowjetische Besatzungsmacht mithilfe deutscher Kommunisten in den Jahren von 1945 bis 1949 durchsetzte. Am 9. 6. 1945 hatte die UdSSR in der ihr zugesprochenen Besatzungszone die SMAD errichtet (1.–4. 7. 1945 Einzug der sowjetischen Besatzungstruppen in die vorübergehend britisch-amerikanisch besetzten Teile Mecklenburgs, Sachsen-Anhalts, Thüringens und Sachsens). In Anbetracht des vom nationalsozialistischen Deutschland gegen die UdSSR geführten Vernichtungskrieges forderte J. W. Stalin deutsche Reparationsleistungen aus allen vier Besatzungszonen.

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Bundesrepublik Deutschland (1949–90)

Vorgeschichte und Entstehung (1945–49): Bei der Umsetzung der gemeinsamen alliierten Grundsätze für die Behandlung Deutschlands, wie sie in der »Berliner Viermächteerklärung« vom 5. 6. 1945 und mit den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz vom 2. 8. 1945 für die vier Besatzungszonen Deutschlands und die vier Sektoren Berlins festgelegt worden waren, hatten sich – besonders angesichts des heraufziehenden Ost-West-Konflikts 1946/47 – bald tief greifende Unterschiede v. a. zwischen der Besatzungspolitik der Westmächte und der der UdSSR gezeigt und zu einer gegensätzlichen Entwicklung in den westlichen Besatzungszonen und

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Die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands (1989/90)

Über den von der Reformpolitik M. S. Gorbatschows, der Aufhebung der Breschnew-Doktrin, dem Zusammenbruch des Ostblocks, der Flüchtlingskrise, der Bürgerbewegung und der Regimekrise in der DDR und der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. 11. 1989 in Gang gesetzten deutsch-deutschen Einigungsprozess entwickelte sich in beiden deutschen Staaten ebenso wie auf internationaler Ebene eine zum Teil kontrovers geführte Debatte. Im Unterschied zu Modrows (SED; seit 13. 11. 1989 Vorsitzender des Ministerrats) Vorstellungen von einer engen »Vertragsgemeinschaft« zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR

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Das vereinigte Deutschland (seit 1990)

Die christlichliberale Koalition nach der Wiedervereinigung: Nach den Landtagswahlen vom 14. 10. 1990 wurden die auf dem Territorium der DDR im Juli 1952 aufgelösten, nunmehr modifiziert wiederhergestellten Länder in die föderale Struktur Deutschlands eingegliedert. Die finanzverfassungsrechtlichen Vorschriften galten teilweise vorerst in modifizierter Form; die fünf neuen Länder sowie das ehemalige Berlin (Ost), nunmehr Teil des Landes Berlin, wurden zunächst noch nicht voll in den Länderfinanzausgleich einbezogen. Die Stimmenverteilung im Bundesrat gemäß Artikel 51 GG wurde in einer Weise geändert, die das Gewicht

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Literatur

 Quellenkunde:

O. Lorenz: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts, 2 Bde. (1886–87; Nachdruck 1999);
W. Wattenbach u. W. Levison: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vorzeit u. Karolinger, 6 Hefte (1952–90);
Quellenkunde der deutschen Geschichte, begründet v. F. C. Dahlmann u. G. Waitz, hg. v. H. Heimpel u. H. Geuss, 12 Bde. (101965–1999);
W. Wattenbach u. a.: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Die Zeit der Sachsen u. Salier, 3 Bde. (1967–71);
derselbe u. F.-J. Schmale: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Vom Tode Kaiser Heinrichs V. bis zum Ende des Interregnums, Bd. 1 (1976);
Quellenkunde zur deutschen
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Weitere Medien

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Weitere Medien: historische Karten

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Quellenangabe
Brockhaus, Deutsche Geschichte. http://brockhaus.at/ecs/enzy/article/deutsche-geschichte